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Gendern – Eine ehrliche Pro-und-Contra-Liste

März 15th, 2021 Posted by Aktuell 0 thoughts on “Gendern – Eine ehrliche Pro-und-Contra-Liste”

Der Duden gendert – 2021 erhalten in der Online-Ausgabe des Dudens 12.000 Personen- und Berufsbezeichnungen erstmals auch einen Eintrag der weiblichen Form. Neben Lob für die Entscheidung zu mehr geschlechtergerechter Sprache gab es auch Kritik. Zeit einen Blick auf die Pro- und Contra-Argumente des Genderns im deutschen Sprachgebrauch zu werfen.

 

CONTRA

Das generische Maskulinum sorgt in der Gender-Debatte regelmäßig für Diskussionen. Dabei ist das grammatische Geschlecht (Genus) nicht mit dem biologischen Geschlecht (Sexus) gleichzusetzen. Im Deutschen kennen wir drei Genera: Maskulinum, Femininum und Neutrum. Deswegen sagen wir auch der Staubsauger, die Katze oder das Flugzeug. Der Staubsauger hat aber nicht deshalb eine männliche Endung, weil Staubsaugen eine rein männliche Tätigkeit wäre. Sondern weil viele Verben im Deutschen durch die Endung „-er“ substantiviert werden. Der Fahrer kommt von fahren, der Lehrer von lehren und der Verkäufer von verkaufen.

Befürworter des Genderns versuchen das generische Maskulinum zu umgehen, indem sie geschlechtsneutrale, beschreibende Formen wählen (z.B. Studierende statt Studenten). Hierbei kann es zu Ungenauigkeiten kommen. Den Regeln der Grammatik folgend muss das aus einem Verb gebildete Substantiv nicht die gleiche Bedeutung wie das eigentliche Substantiv haben. So kann ein Backender, eine Person sein, die gerade backt. Während ein Bäcker eine Tätigkeit beschreibt, die sich auf einen Beruf bezieht.

Die Sprache beeinflusst das Denken – ganz klar. Doch wie groß der Einfluss der Grammatik dabei ist, lässt sich nur schwer bemessen. In einigen Sprachen wie dem Türkischen, gibt es keinen Genus. Dort gibt es also nichts zu gendern. Ob in diesen Sprachen deswegen die Gleichberechtigung der Geschlechter besser zum Ausdruck kommt, ist fraglich.

Zudem leidet die Sprachästhetik unter gendergerechten Formulierungen. Sternchen, Unterstrich und Passivkonstruktionen machen Texte langsamer, unverständlicher und leseunfreundlich. Ganz zu schweigen von den Stolperern und Sprechaussetzern, die passieren, wenn man einen solchen gegenderten Text vorliest.

 

PRO

Zum Einstieg ein Rätsel:

Ein Vater und sein Sohn fahren zusammen in ihrem Auto und haben einen schrecklichen Autounfall. Der Vater stirbt beim Aufprall. Der Sohn wird mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren und sofort in den OP gebracht. Der Arzt wirft einen kurzen Blick auf ihn und sagt, man müsse eine Koryphäe zu Rate ziehen. Diese kommt, sieht sich den jungen Mann auf dem OP-Tisch an und verkündet: “Ich kann ihn nicht operieren, er ist mein Sohn.“

Wie ist das möglich?

Des Rätsels Lösung ist simpel: Bei der Koryphäe handelt es sich um die Mutter des verunglückten Kindes. Die Aufgabe stammt aus einer Studie von Stöger, Ziegler und David ‚What is a specialist?‘ (2004). Dabei zeigte sich, dass nur rund ein Drittel der Studienteilnehmenden das Rätsel lösen konnten. Das obige Beispiel zeigt: So aufrichtig die Absichten auch sein mögen, Frauen würden mitgemeint, sie werden nicht mitgedacht. Zu diesem Ergebnis kamen auch weitere Studien. Egal ob Grundschüler*innen sich Berufen zuordnen sollten oder Proband*innen ihre Lieblingssportler nennen – bei der Fragestellung im generischen Maskulinum wurden wesentlich mehr Männer genannt als bei den Fragestellungen mit Paarform oder Binnen-I.

Gegenderte Texte scheinen den Lesefluss weniger zu stören, als manch einer annimmt. In einer Studie wurde untersucht, wie gut geschlechtergerechte Formulierungen für Nachrichtentexte geeignet sind. Dabei bekamen Testpersonen verschiedene Versionen eines Artikels vorgelegt – im generischen Maskulinum, mit Binnen-I und mit jeweils beiden Geschlechternennungen. Die Lesbarkeit wurde in allen drei Fällen gleich gut eingestuft.

Zudem bietet nur eine gendergerechte Sprache die Möglichkeit, alle Geschlechter anzusprechen. Frauen ebenso wie Inter- und Transsexuelle oder, um es kurz zu fassen, alle Menschen, die ein anderes Geschlecht als das männliche haben.

 

FAZIT

Beide Seiten haben schlüssige Argumente. Entscheide selbst, welche du überzeugender findest. Fällt die Wahl schwer, halte dich an deine Zielgruppe . Ist dort eine gegenderte Sprache schon Standard, tust du gut daran, es ebenso zu machen. Falls nicht… – die Entwicklung der letzten Jahre im Bereich professioneller Texterstellung, der Medien und des öffentlichen Diskurses fällt auf jeden Fall zugunsten der Pro-Seite aus. Natürlich gibt es Ausnahmen. Doch die Sorge, beim Gendern etwas falsch zu machen, sollte nicht das ausschlaggebende Kriterium sein. Nobody´s perfect, du darfst Fehler machen. Sei sicher: Du wirst sich schneller daran gewöhnen, als du glaubst. Texterin-Ehrenwort 😉

Für diejenigen, die auf der Suche nach Tipps und Formulierungshilfen sind: Der gendergerechte Sprache Leitfaden bei TÜV Rheinland erklärt die wichtigsten Punkte und enthält auch einige Beispiele.

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