Welttag des Buches 2020 – unsere Buchempfehlungen

April 23rd, 2020 Posted by Aktuell 2 thoughts on “Welttag des Buches 2020 – unsere Buchempfehlungen”

Heute ist Welttag des Buches. Von der UNESCO ins Leben gerufen, wird seit 1996 jedes Jahr am 23. April die Welt der Bücher und des Lesens gefeiert. Ein Glück, dass die Buchhandlungen gerade rechtzeitig wieder öffnen dürfen. Wir stellen euch drei spannende Werke vor, wo sich das Lesen lohnt.

 

 

Facebook: Weltmacht am Abgrund

empfohlen von Silvia Brauner – CEO und Gründerin von blue satellite

 oder: Die Geister, die wir riefen

 

Alle tun es: Wir chatten, posten, teilen und vernetzen uns über Facebook, Instagram und WhatsApp. Auch wenn uns dabei zunehmend ein mulmiges Gefühl beschleicht. Wegen der Wellen an Fake News und Hasstiraden, die die Netzwerke regelmäßig überfluten. Und weil das Geschäftsmodell des Tech-Giganten darin besteht, unsere Daten im großen Stil für Werbezwecke abzugreifen. Aber dann wischen wir die Bedenken beiseite – zu komfortabel sind die Plattformen und Dienste. Und außerdem: Wo sonst trifft man ähnlich viele Freunde und Bekannte?

Wie aus dem 2004 von Mark Zuckerberg gegründeten Start-up eines der mächtigsten Tech-Imperien der Welt werden konnte, das sogar die Demokratie bedroht – das ist jetzt aktuell nachzulesen bei Steven Levy. Der US-amerikanische IT-Journalist muss es wissen: Er hat Facebook mehr als zehn Jahre lang begleitet und ist tief in das Innenleben des Netzwerks eingetaucht. Er hat über dreihundert Interviews geführt, regelmäßig Mark Zuckerberg getroffen und unzählige Quellen ausgewertet. Sein Fazit: Der Weltkonzern ist gefährlich ins Schlingern geraten. Und: Facebook hat bis heute kein wirksames Rezept dagegen gefunden, dass die Plattform für die massenhafte Verbreitung von Falschinformationen und Hatespeech missbraucht wird.

Ignoranz und die Hybris, die ganze Welt vernetzen zu müssen, sind schuld an der Facebook-Misere, so Steven Levy. Der Journalist verknüpft seinen Insiderbericht auf ungemein spannende Weise mit dem Psychogramm des Facebook-Gründers. Zuckerberg, so wird beim Lesen deutlich, ist von einem schier unstillbaren Expansionsdrang getrieben. Nach der Devise „Move Fast and Break Things“ will er erst die Welt „mit Lichtgeschwindigkeit“ vernetzen und dann später mögliche Kollateralschäden beheben. Steven Levy arbeitet akribisch heraus, wie die Errungenschaften der Plattform sich immer mehr in ihr Gegenteil verkehren. So verwandelt sich die Möglichkeit, „bislang ungehörten Menschen eine Stimme zu geben, in ein Instrument, um Hasspredigern eine ohrenbetäubende Echokammer zu schaffen.“ Und die Möglichkeit, „politischen Befreiungsbewegungen eine Plattform zu Verfügung zu stellen, wurde in der Hand von Unterdrückern zum tödlichen Werkzeug“.

Mit dieser scharfen Analyse konfrontiert, reagiert Mark Zuckerberg so gar nicht als verantwortungsbewusster CEO, als der er sich gerne gibt, sondern wie ein ertapptes Kind, das zwischen Trotz und Reue schwankt. „Wir waren zu idealistisch und optimistisch, wofür die Leute diese Technologie auf Dauer nutzen würden. Und wir haben nicht genug darüber nachgedacht, auf welche Art sie das Ganze missbrauchen würden. Vielleicht braucht es jemanden, der viel besser ist als ich.“ So äußert sich einer, der die Geister, die er rief, nicht mehr beherrschen kann und sich sang- und klanglos aus der Affäre ziehen möchte.

Mit solchen Äußerungen entlarvt sich Zuckerberg selbst. Es ist das Verdienst von Steven Levy, dies schonungslos zu dokumentieren und sich trotz seiner Nähe zu Facebook und seinem Schöpfer nicht vereinnahmen oder korrumpieren zu lassen. Sein „unzensierter Blick auf den Tech-Giganten“ – so der Untertitel des Insiderberichts – macht deutlich, dass es an der Zeit ist, den Konzern in die Schranken zu weisen und dass wir uns die Macht, die sich Facebook und Co. gekrallt haben, zurückholen.

 

Steven Levy: „Facebook – Weltmacht am Abgrund. Der unzensierte Blick auf den Tech-Giganten“, Verlag Droemer München 2020, 26 Euro

 

 

AktenEinsicht –

empfohlen von Karin Thissen – CEO und Gründerin von blue satellite

Die Geschichten hinter den Zahlen

 

Corona und die Folgen – das Thema Nummer eins in den Medien derzeit. Verständlich, dass es bei all der allgemeinen Verunsicherung vor allem Zahlen sind, an denen sich die Berichterstattung festklammert. Eine davon: Um 17,5 Prozent habe die Nachfrage beim deutschlandweiten Hilfetelefon »Gewalt gegen Frauen« innerhalb von zwei Wochen zugenommen, erklärte eine Sprecherin von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey. Was sagt uns diese Zahl? Sicher, die Corona-Krise ist ein gewaltiger Stresstest für unsere Gesellschaft. Auf das Leben in der Familie, in den eigenen vier Wänden zurückgeworfen, lassen offenbar viele physisch Überlegene (meistens Männer) Stress, Ärger und aufgestaute Wut an physisch Unterlegenen (meistens Mädchen und Frauen) aus.

Wie die täglichen Pandemie-Statistiken muss auch diese Zahl hinterfragt und in Relation gesetzt werden, um sie einordnen und verstehen zu können. Gewalt gegen Frauen ist keine Corona-Begleiterscheinung, sondern ein alltägliches Phänomen, auch wenn sie nur selten öffentlich wird. Nach Informationen des Bundeskriminalamtes ist jede dritte Frau in Deutschland von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen. Welche Lebensgeschichten sich hinter dieser Zahl verbergen, davon berichtet die Strafrechtsanwältin Christina Clemm in ihrem Buch „AktenEinsicht”. Sie erzählt Geschichten von Frauen, die körperlicher und sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren, und vermittelt überraschende, teils erschreckende Einsichten in die Arbeit von Justiz und Polizei. Keine leichte Lektüre, aber ein aufschlussreicher Blick in die Abgründe unserer Gesellschaft. Auch jenseits von Corona.

 

Christina Clemm: „AktenEinsicht. Geschichten von Frauen und Gewalt“, Antje Kunstmann Verlag, München 2020, 20 Euro

 

 

Die Orbit Organisation –

empfohlen von Teresa Kania – Volontärin

Bereit für den Unternehmenswandel in die digitale Zukunft

 

Wenn die Corona-Krise eines gezeigt hat, dann dass Unternehmen flexibel, kundenzentriert und digital arbeiten müssen, um in der sich wandelnden Geschäftswelt bestehen zu können. Dafür sind in vielen klassischen Firmen tiefgreifende Veränderungen in der Organisation, Unternehmenskultur und Zusammenarbeit notwendig. Einen Überblick mit vielen Beispielen aus der Praxis bietet das Buch des Autorenduos Anne M. Schüller und Alex T. Steffen. Bestsellerautorin und Businesscoach Schüller und Leadership-Trainer und Unternehmer Steffen erläutern verständlich und kurzweilig Begriffe wie Chief Agility Officer, Innovation Community oder Elfer-Skala. Eingebettet in ihr eigens entwickeltes Orbit-Modell, ergibt sich so ein klares Bild der Unternehmensorganisation für die digitale Zukunft.

Kompakt und doch eine umfangreiche Themenpalette abdeckend, haben der Autor und die Autorin ein Standardwerk für die moderne Unternehmensführung geschaffen. Zur Vertiefung einzelner Schwerpunkte sind weiterführende Literaturhinweise angegeben. Insbesondere Kapitel sechs „Das Aktionsfeld der Führungskräfte“ fand ich lesenswert. Von Entscheidungsprozessen über Karrierekletterwände bis hin zu Managementtools skizziert der Abschnitt die Anforderungen an die Mitarbeiterführung des digitalen Zeitalters. So entsteht im Kopf eine ziemlich konkrete Vorstellung der neuen Arbeitsweise und Art der Zusammenarbeit.

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass die Millennials (also meine Generation) teilweise zu sehr hervorgehoben wurde. Es könnte der Eindruck entstehen, dass wir mit einem Haufen Ansprüche an die Arbeitswelt herantreten, bei der ersten Abweichung davon das Weite suchen und wir die unabdingbare Mitarbeitergruppe für die zukünftige Berufswelt sind. Dem ist natürlich nicht so. Es kommt auf jeden Einzelnen und jede Einzelne im Unternehmen an. Wie wichtig ein Zusammengehörigkeitsgefühl und transparentes, abteilungsübergreifendes Teamwork sind, wird ebenfalls im Buch besprochen.

Denn nur gemeinsam, wenn wir unsere Fähigkeiten, Talente und unser Wissen vereinen, sind wir stark genug, um in der digitalen Zukunft zu performen. Eine weitere großartige Lektion, die uns die Corona-Krise gelehrt hat.

 

Anne M. Schüller und Alex T. Steffen: Die Orbit Organisation – In 9 Schritten zu Unternehmensmodell für die digitale Zukunft, GABAL Verlag, Offenbach 2019, 34,90 Euro.

 

2 thoughts on “Welttag des Buches 2020 – unsere Buchempfehlungen”

  1. Alex und ich danken ganz herzlich für die Empfehlung.

    1. Teresa Kania sagt:

      Lieben Dank für Ihren Kommentar. Es ist eine ehrliche Empfehlung, die von Herzen kommt. Ich habe die Lektüre Ihres Buches sehr genossen. Denn es ist nicht nur informativ, sondern auch motivierend. Da möchte man sich sogleich in den nächsten Hackathon stürzen. 🙂

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